Nachgefragt – Der Schreibprozess

Als frischer Autor hat man immer eine Menge Fragen, die einem manchmal zu banal erscheinen. Warum weiß ich es nicht, aber jeder andere Autor scheint zu wissen, wie es richtig geht? Stelle ich meine Frage in einer Autorengruppe, muss ich Angst haben als dumm abgestempelt zu werden?

Es gibt keine dummen Fragen. Darum habe ich „Nachgefragt“ ins Leben gerufen. Da ich auf Instagram sehr aktiv bin und dort hin und wieder von anderen Autoren zu manchen Themen ausgefragt werde, werde ich diese Fragen auch hier beantworten. Vielleicht verirrt sich ja der ein oder andere Autor auf meinen Blog und es hilft ihm/ihr weiter.

In Zusammenarbeit mit Eleonora Colt werde ich einige Fragen beantworten, die sie als Neuautorin beschäftigen und über die ich schon oft nachgedacht habe.

  • Welche Kapitellänge ist bevorzugt?

    Kapitel gibt es in allen Längen, sie können aus nur wenigen Worten, oder unzähligen Seiten bestehen. Bei der Kapitellänge hat man mir geraten, einfach nach Gefühl zu entscheiden. So mache ich es auch. Oft nehme ich einen Perspektivwechsel oder einen größeren Handlungssprung als Grund ein neues zu beginnen. Manchmal macht es Sinn, das Kapitel an einer besonders spannenden Stelle zu beenden, um den Leser mit dem Cliffhanger zum Weiterlesen zu bewegen. Bei mir sind die Kapitel im Schnitt um die 2000 Wörter lang, das hat sich tatsächlich von alleine so entwickelt.
  • Welche Zeitform?

    Kommt auf das Genre an und auf dich als Autor. Lies Bücher in dem Genre und zu den Themen, die du auch schreibst. Was fällt auf? Was fühlt sich für dich beim Schreiben gut an? Es bringt nichts, sich zum personalen Erzähler im Perfekt zu zwingen, wenn man dabei das Gefühl hat, nicht richtig in die Geschichte einzutauchen.
    Übrigens: Ist das Buch wirklich gut geschrieben, dann bemerkt der Leser manchmal gar nicht, in welcher Form es verfasst wurde.

  • Gibt es spezielle Formatierungsvorgaben?

    Die meisten Verlage verlangen bei der Einreichung eines Manuskripts „Normseiten“. Diese haben eine spezielle Formatierung, sind damit einheitlich und es kann der Umfang abgeschätzt werden, den der Roman am Ende haben wird. Vorlagen gibt es im Internet, auch zum Download.

    Ich habe mir angewöhnt meine Erstfassung bereits im Normseitenformat zu verfassen, dann muss ich später nichts mehr verändern.
  • In welchem Schreibprogramm arbeitet man am besten?

    Es gibt einige sehr gute Programme. Man kann die meisten für einen Monat kostenlos austesten. Papyrus, Scrivener, Patchwork, sie alle haben ihre Vor- und Nachteile.
    Ich selbst schreibe nur in Word, da das Lektorat über den Verlag meist auch in Word bearbeitet wird. Außerdem habe ich schon einige Programme ausprobiert, hatte aber nicht die Ausdauer sie mir richtig anzuschauen. Ich wollte einfach schreiben, daher reicht mir Word vollkommen aus.
  • Gibt es einen Schreibplaner, welchen du empfehlen kannst?

    Ich habe lange Zeit meine Projekte über Excel festgehalten. In den letzten Jahren gab es da einen tollen Schreibplaner. Sobald es einen für 2020 gibt, verlinke ich ihn gerne

    Für mein Handy nutze ich die App „Writeometer“, leider gibt es sie nicht mehr im App-Store, aber man kann sie sich im Internet noch herunterladen. Sie ist auf Englisch, aber recht einfach zu verstehen und übersichtlich.

  • Wenn der Manuskript fertig ist und man es selbst durchgelesen hat, welche Schritte folgen weiter? (allgemein wäre interessant)


    1. Wie du schon sagst ist der erste Schritt: Durchlesen.
    Ich korrigiere dabei die ersten Fehler die mir auffallen. Tippfehler, usw. Größere Handlungsfehler würde ich nicht sofort korrigieren, sondern Notizen an den Rand schreiben, damit du in der Geschichte bleibst. Notier dir alles, was dir auffällt. bei mir gibt es dort Anmerkungen wie: „Hier mehr Show don’t tell nutzen“ oder „Mehr Gefühl“ oder „Hat es eben nicht noch geregnet? Nachprüfen und anpassen“

    2. Eine Pause machen – Abstand gewinnen.
    Manche Autoren schaffen es tatsächlich, das Manuskript für 4 Wochen an die Seite zu legen. Man sollte versuchen ein wenig Abstand zu gewinnen, denn wenn man so tief in der Story drin steckt, dann fallen einem zB fehlende Informationen im text nicht mehr auf. Mir selbst schon passiert, im Kopf war diese Information so präsent, dass mein Gehirn sie einfach eingebaut hat, aber ein Leser kann nicht wissen, was du dir dabei gedacht hast. (Solche Dinge können trotzdem durchgehen, dafür gibt es aber dann die Testleser, siehe Punkt 5)
    Ich schaffe es nicht, 4 Wochen Pause zu machen. Wichtig ist jedoch, eine gewisse Zeit die Konzentration auf etwas anderes zu richten. Sei es der Haushalt, ein neues Schreibprojekt, oder oder

    3. Überarbeitung in verschiedenen Schritten.
    -Die Figuren (Handeln sie ihrem Charakter entsprechend?
    -Der Plot (hat man idealerweise beim ersten Durchlesen schon kontrolliert und sollte es überall anpassen)
    -Einzelne Szenen
    -Dialoge, Satzbau, Stil, Kapitel und Szenenübergänge

    Dieser Schritt fällt bei mir meist etwas kleiner aus. Da ich eine Geschichte recht genau vorplane, und beim Schreiben schon recht strukturiert vorgehe, fallen mir solche Dinge meist schon während des Schreibprozesses auf und ich passe sie meist sofort an.

    4. Kill your Darlings.
    Klingt hart, aber stimmt leider. Oft hat man Szenen, oder Sätze, die man total toll findet, die aber leider den Lesefluss stören, für die Geschichte irrelevant sind, oder sich widerholen. Jeder Autor hat Wörter und Formulierungen, die er unbewusst immer wieder verwendet. Bei mir ist es zB das „Als“ am Anfang eines Satzes. Versuche deine Lieblingsfehler zu finden und sie auszumerzen

    5. Testleser
    Gerade am Anfang neigt man dazu, Freunde oder Familie als Testleser einzusetzen. Das kann funktionieren, meistens geht es aber nach hinten los.
    Mir hat es geholfen in Austausch mit anderen Autoren zu kommen. Wir lesen gegenseitig unsere Texte, sagen ehrlich, was wir denken und helfen uns dabei Plotlöcher auszubessern.
    Auf Facebook gibt es Testlesergruppen, bei denen man ebenfalls nach Testlesern suchen kann. Dort weiß man aber nicht immer, an wen man gerät und ob die Leser auch zuverlässig sind. Am besten, man gibt die Geschichte immer in kleineren Abschnitten weiter. Für den Leser ist es einfacher mal eben 30 Seiten zu Lesen als 300, der Autor bekommt so schnelleres Feedback, man testet aus, ob man harmoniert. Wenn der Schreibstil dem Leser nicht zusagt, kann er das gleich sagen und der Autor kann sich so rechtzeitig um Ersatz kümmern. Außerdem: Wenn dem Leser gleich am Anfang etwas auffällt, kann man es noch rechtzeitig ändern.
    Daher bietet es sich an, eventuell schon während des Schreibprozesses ein kleines Testleseteam aufzubauen. So merkt man gleich zu Beginn schon, falls etwas total absurd sein sollte. (manchmal fallen einem solche Dinge einfach nicht auf)

Jeder Autor geht etwas anders an seine Geschichte heran. Was bei dem einen gut klappt, kann für den anderen gar nicht funktionieren.
So unterschiedlich die Geschichten sind, so verschieden sind auch die Autoren.

Ich teile hier mit euch die Empfehlungen, die man mir gegeben hat. Wichtig ist, dass man für sich selbst den richtigen Weg findet und mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Und nun: Ran an die tasten!

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